Paprika im Winter?

 

„Sind die Paprika von euch?", wurden wir letztens gefragt. Leider nein, das sind sie nicht. Nicht jetzt zu dieser Jahreszeit.

 

Diesmal sind die Neuigkeiten aus der Gärtnerei etwas länger und wenig bebildert, aber weil es uns wichtig ist, dass unsere Kunden ein Gespür davon bekommen, was möglich ist und was nicht und warum nicht alles in der Kiste und beim Marktstand direkt von uns kommen kann, würden wir uns freuen, wenn Sie folgendes trotzdem lesen.

 

Wir sind eine kleine Gärtnerei, wir hätten gar nicht den Platz, die Arbeitskraft, die Kapazitäten, alles anzubauen, was in die Abo-Kisten kommt und was wir beim Markt verkaufen. So kaufen wir für den Markt von Höfen hier in der Gegend und auch vom Naturkost-Großhändler zu. Charlotte Deininger, die das Abo betreut, macht das genauso. Außerdem bauen wir nicht nur Gemüse an, wir kümmern uns um unsere drei Zebus, Rinder sind ein wichtiger Bestandteil eines Demeterhofes. Und wir kümmern uns um das Gelände, auf dem wir unsere Gärtnerei haben, denn da sind ja nicht nur unsere Felder, es gibt Natur, die wir erhalten und pflegen wollen, z.B. die Hecken, die Vögeln und kleinen Tieren einen möglichst guten Lebensraum bieten sollen. Wir säen Blühmischungen aus, säubern Nistkästen…

Doch zurück zu Paprika & Co… Wenn Sie jetzt im Winterhalbjahr Paprika kaufen, egal ob biologisch oder konventionell, werden diese nicht aus Deutschland kommen. Die meisten werden in Südspanien angebaut, genauso wie Tomaten und Gurken. Es gibt auch welche aus Israel.

In Mitteleuropa haben wir eine Vegetationsperiode, die von April bis Ende Oktober dauert. Das heißt, in dieser Zeit findet Wachstum bei den Pflanzen statt, sie ruhen nicht. Das liegt an der Tageslänge und an der Luft- und Bodentemperatur. Um bei unserem Beispiel, den Paprika zu bleiben: Sie kommen ursprünglich nicht aus unseren Breitengraden, sondern aus Südamerika. Sie mögen es sehr warm, wärmer noch als Tomaten. Bei uns im Gewächshaus beginnt die Ernte Mitte Juli mit den ersten grünen (unreifen) Paprika und endet im Oktober mit den letzten grünen Früchten, die dann nicht mehr reifen würden. Unter 17°C wächst und reift eine Paprika kaum. Reife Paprika, also gelbe und rote, gibt es nur im August und September.

Von der Aussaat im Februar bis zur ersten reifen Frucht ist das eine lange Zeit. So ein Gewächshaus verlängert die Vegetationszeit, denn es heizt schnell auf bei Sonnenschein. Natürlich können wir Gärtner auch heizen in unseren Häusern, doch um zum Beispiel jetzt Mitte März schon Sommersalate (Batavia, Kopfsalat…) zu ernten, hätten wir diese im Dezember oder spätestens im Januar pflanzen müssen und dann fast durchgehend heizen müssen. Das ist für uns weder wirtschaftlich noch ökologisch sinnvoll. Und das ist auch in den Demeter-Richtlinien festgelegt: Vom 01. November bis 15. Februar dürfen die Häuser lediglich frostfrei gehalten werden (außer Jungpflanzenanzucht). Auch über unseren Naturkostgroßhändler können wir noch immer keine Sommersalate aus Deutschland beziehen. Es gibt noch Feldsalat und Chicorée, ab Mitte April wird es den ersten Batavia und Kopfsalat von uns geben. Unser Feldsalat, der vor drei Wochen in den Abo- Kisten war, wurde im November gepflanzt, er ist dann nicht mehr gravierend gewachsen und hat erst wieder losgelegt als es etwas milder wurde und die Temperatur im Gewächshaus gestiegen ist.

 

Gemüse wie Radieschen oder Spinat (und auch Salate wie Batavia und Kopfsalat) halten ebenfalls niedrige Temperaturen aus, aber sie wachsen eben nicht.

 

Weil die wenigsten unserer Kunden mit ausschließlich regionalem und somit in Deutschland saisonalem Obst und Gemüse glücklich wären, kaufen wir von Bio-Betrieben zu, die natürlich so nah wie möglich und nicht am anderen Ende der Welt liegen sollten. Die Paprika kommen nicht aus Israel, sondern aus Spanien, was für uns ein nicht wirklich guter Kompromiss ist, weil zum Beispiel in Südspanien richtige Folienhaus-Landschaften entstanden sind, die die dortige Natur verdrängen, die Böden versalzen, weil viele Betriebe nicht das hochpreisige aufbereitete Meerwasser zum Bewässern verwenden, sondern das Grundwasser, viele von ihnen springen einfach auf den „Bio-Zug“ auf, nicht aus tiefer Überzeugung, sondern weil sie wissen, dass wir Nordeuropäer gutes Geld dafür zahlen… Sobald es Ware aus Deutschland oder noch besser direkt aus Louisgarde oder von unseren Partnerbetrieben hier in der Region gibt, priorisieren wir das natürlich.

 

 

Wir würden uns wirklich freuen, wenn wir Ihren (Geschmacks)Sinn schärfen könnten für all die guten Wintersalate, Wurzelgemüse und Kohlarten, die es hierzulande im Winter gibt. Bei Chicorée, Zuckerhut und Co. wurden im Lauf der Zeit die Bitterstoffe weitgehend weggezüchtet, worüber sich die meisten Esser bestimmt freuen; dennoch sollten wir nicht vergessen, wie wichtig diese Stoffe für unseren Körper sind. Mit einem guten Dressing, in dem zum Beispiel die Süße von Honig dem Bitteren entgegengesetzt wird, kann das ein wahres Geschmackserlebnis sein. Oder haben Sie schon mal Rote Bete Suppe mit knusprigen Crôutons gegessen oder Wurzelgemüse aus dem Ofen mit einem leckeren Kräuter-Joghurt-Dip? Wirsing in Sahnesauce mit Birne… ich finde kein Ende.

 

Aber bald geht es ja wieder los, der Frühling und der Sommer kommen in großen Schritten.

 

Wenn Sie übrigens mehr auf Saisonalität achten möchten und bestimmte Gemüsearten zu bestimmten Jahreszeiten nicht in der Abo-Kiste haben möchten, dürfen Sie uns das jederzeit gern mitteilen, wir würden uns freuen. Auch über Rückmeldung zu solchen Themen von unseren Marktkunden freuen wir uns sehr, denn der Zukauf von Waren stürzt uns manchmal in ein Dilemma. Wir sind so oft zerrissen zwischen unserem Anspruch, auf Saisonalität zu achten und unserem Wunsch, Sie als Kunden zufriedenzustellen. Sie können uns unterstützen, indem Sie uns Ihre Meinung und Wünsche mitteilen.

 

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und Ihnen allen einen schönen Start in den Frühling.

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