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Herbsttag

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.

 

Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

 

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

 

Rainer Maria Rilke (Paris 1902)

 

 

Wenn ich mir sonntags mal Zeit nehme und durch den Garten gehe, sehe ich abgeerntete Beete, hier und da blühen noch einzelne Malven. Die Farben sind gedämpft und trotzdem kraftvoll. Dieses Erscheinungsbild transportiert eine völlig andere Stimmung als die Farben und die Energie des Frühlings und Sommers, die eine ganz andere Kraft in sich tragen, eine nach außen drängende, wachsende Kraft.

 

Es ist eine morbide Schönheit, der ich jetzt an trüben Tagen begegne. Die Erde atmet ein, die Kräfte ziehen sich zurück und wirken auf die biodynamischen Präparate, die wir vor einiger Zeit vergraben haben: Der Mist unserer Zebu-Rinder in Hörnern von Uria-Rindern (Schwäbische Alb), Kamille im Rinderdarm und Löwenzahn im Rinder-Gekröse – vereinfacht gesagt ist das ein dünnes Gewebe, das mit dafür sorgt, dass die inneren Organe an ihrem Platz bleiben. Diese und andere Präparate sind neben strengeren Richtlinien das Alleinstellungsmerkmal der biodynamischen Wirtschaftsweise und gehen wie die ganze Philosophie und Idee dahinter auf eine Vortragsreihe von Rudolf Steiner aus dem Jahr 1924 zurück.

Auf den Feldern stehen nur noch frostharte Gemüse: Lauch, ein bisschen Wirsing, Grünkohl und Schwarzkohl. Viel eingelagert haben wir nicht. Der Knollensellerie war teilweise sehr klein geblieben, weil das Grün mit Septoria befallen war, ein Pilz, der durch Feuchtigkeit begünstigt wird. Die roten Beten hätten evtl. noch stärker vereinzelt werden sollen, damit sie größer werden. Durch den stetigen Zuwachs an Abokisten-Kunden gehen große Mengen auf einmal weg. Und trotzdem muss Charlotte, die sich ums Abo kümmert, die von uns gelieferten Gemüsearten oft noch durch Zukauf von anderen regionalen Höfen und vom Naturkostgroßhandel ergänzen, damit sie jeweils auf die benötigte Menge kommt. Für die kommende Saison ändern wir unseren Anbauplan ein bisschen: Wir versuchen, von wenigen Gemüsearten weiterhin größere Mengen fürs Abo anzubauen, wollen aber gleichzeitig vielfältiger werden und Kulturen wie Knollenfenchel und frühe Möhren für den Verkauf beim Markt und die seit Juni sich entwickelnde SoLawi mit aufnehmen. In der SoLawi teilen gerade 15 Menschen/Haushalte 10 Anteile unter sich auf, die aus Gemüse und Obst ausschließlich von uns und unseren direkten, regionalen Partnern bestehen. Das Depot befindet sich in Lauda in der Ländlichen Heimvolkshochschule, die übrigens ein sehr interessantes Kursprogramm von biologischem Gärtnern über Käse-Herstellung bis zu wertschätzender Kommunikation anbietet. Dort werden alle zwei Wochen mittwochs die Anteile von den Mitgliedern abgeholt. Wir sind froh, dass bei und mit uns so etwas entsteht; vier Menschen der Tauberpioniere, eine Regionalgruppe der Pioneers of Change, sind Anfang dieses Jahres auf uns zugekommen und zusammen betreten wir nun dieses Neuland und lassen das Projekt SoLawi auf Louisgarde sich entwickeln. 

 

Seit vier Wochen sind unsere Schäfchen bei uns: Vier schwarze Ouessant-Schafe. Diese Rasse ist die kleinste Europas, die Tiere werden nur kniehoch. Ursprünglich kommen sie von der gleichnamigen französischen Insel, die im Atlantik vor der bretonischen Küste liegt. Sie haben sich an die karge Vegetation dort angepasst und sind robust und genügsam. Heutzutage werden sie nur noch von Liebhabern gehalten und gezüchtet; als Nutztierrasse geben sie zu wenig Milch und setzen zu wenig Fleisch an. Bei uns grasen sie Wiesenstücke ab und erfreuen uns und unsere Besucher. Wir wollen uns weiter behutsam öffnen für Menschen, die solche Oasen wie Louisgarde zu schätzen und zu schützen wissen. Diese Menschen möchten wir teilhaben lassen an unserer Arbeit und unserem Leben hier und an dem faszinierende Wissen über natürliche Zusammenhänge, das sich vor allem bei Lutz im Lauf der Jahre angesammelt hat. Ihr alle seid jederzeit willkommen, euch umzusehen. Besonders schön wird es natürlich im Frühling wieder werden, wenn ihr Beeren pflücken und in unserem Sommercafé sitzen könnt. Auch für unsere Marktkunden wollen wir nächstes Jahr endlich ein Treffen bei uns mit Führung realisieren. 

Das klingt schon ganz nach Jahresbrief, aber ein bisschen was will ich für kurz vor Weihnachten aufheben; also lese ich Rilkes Herbsttag nochmal und frage mich: War mein Sommer groß? Was sind meine Früchte und sind sie reif geworden? Habe ich mein Haus, in dem ich es sicher und warm habe im nahenden Winter? Und wie sieht es aus, wenn ich mir diese Fragen bezüglich meines Lebens stelle? 

Ich wünsche euch das, was ihr braucht in dieser Zeit. Vielleicht Vertrauen in euch und das einzig stetige,

den Wandel – zusammen mit ihm sind wir fähig, freudig durch den Herbst und Winter zu gehen

und Dinge zum Guten zu lenken.

Lassen wir die Früchte unseres Lebens stetig reifen, auf dass wir sie später getrost und voller Freude loslassen können.

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