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Der Duft von Hyazinthen...

...steigt mir in die Nase während ich den Adventkranz auseinandernehme. Sie sind in meinem Kopf, die duftenden Blüten, denn mich überkommen urplötzlich Frühlingsgefühle. In meinem früheren Leben stand oft im ausklingenden Winter eine Hyazinthen-Zwiebel auf dem Tisch, die sich in der Wärme der Wohnung rasant entwickelt hat und deren Duft mich schier umgehauen hat. Zarte Farben und offene Fenster kommen mir in den Sinn, durch die die erste warme Frühlingsluft weht. Diese Freude auf den Frühling habe ich zur Zeit fast permanent in mir, sie ist eines der intensivsten Gefühle, die ich kenne, sie beschert mir einen ungeheuren Tatendrang und ich kann es kaum abwarten bis ich die ersten wärmenden Sonnenstrahlen des Jahres auf der Haut spüre und der erste Tag kommt, an dem sich die Luft wie Frühling anfühlt, an dem ich einfach die Tür aufmache und ohne dicken Pulli in den Garten gehe. Jedes Jahr aufs Neue habe ich dann das Gefühl, dass das Jahr frisch vor mir liegt und einfach alles möglich ist, wenn ich jetzt loslege. Wenn ich es mir aussuchen könnte, zu welchem Zeitpunkt ich diese Welt verlassen soll, dann würde ich wahrscheinlich so einen Frühlingstag wählen; denn ich kann es mir nur schwer vorstellen, mit dem Wissen zu leben, dass kein Frühling mehr vor mir liegt.

 

Der gewohnte Rhythmus ist nach der Weihnachtspause wieder da, doch die Gärtnerei liegt noch in der Winterruhe. In den Gewächshäusern steht noch Feldsalat und Postelein, die nach und nach abgeerntet werden. Ein bisschen Lauch steht noch auf dem Feld und im Erdkeller gibt es noch ein paar Kisten Knollensellerie. Jetzt, da es Frost hat, gehen wir jeden Tag in den Wald, um Holz zu machen. Frost bedeutet aber auch, dass wir darauf achten sollten, dass die Wasserleitungen nicht einfrieren und platzen. Wenn wir den Rindern und den Schäfchen Wasser gegeben haben, drehen wir es wieder ab und lassen die Hähne leerlaufen.

 

Die Tiere werden jetzt im Winter zweimal am Tag versorgt, sie bekommen eine Ration Heu, etwas Futterrüben oder trockenes Brot. Letzteres lieben vor allem die vier Ouessant-Schafe, die seit Oktober bei uns sind. Sie sind sehr genügsam und werden ausgewachsen nur kniehoch. Hier auf Louisgarde sollen sie kleinere Wiesenstücke abgrasen, bei denen es sich nicht lohnt, die Zebus darauf einzuzäunen. Wir haben ihnen aus einem alten Hänger einen Mobilstall gebaut, der zwei ganz besondere Fenster hat: Eines vom Wohnhaus hier auf Louisgarde, wo die Fenster vorletzten Herbst erneuert wurden und eines vom alten Bauernhaus meiner Oma.

 

 

Dann sind da noch Bali und Anna, unsere Pensions-Rinder. Ein Freund eines unserer SoLawi-Mitglieder hat sie im November gebracht. Seine Tochter hatte sich ihrer angenommen als sie noch ganz klein waren und hat sie dann vor dem sicheren Tod im Schlachthof gerettet. Sie konnten nirgends unterkommen und so versorgen wir sie vorerst über den Winter bis sie dann im Frühling wahrscheinlich einen neuen Platz bekommen. Bezüglich der Weidefläche sind wir begrenzt und die Zebus sind wesentlich genügsamer und auch unaufwendiger in der Betreuung. Die zwei Neuen sind erst ca. eineinhalb Jahre alt und schon jetzt größer als die Zebus, die jetzt fast 16 Jahre alt sind. Nach einer Woche bei uns haben Bali und Anna festgestellt, dass nicht wie gewohnt Strom auf dem Zaun ist, und dann gab es kein Halten mehr: Der Zaun um die Obstbaumwiese wurde niedergedrückt und als sich Bali kräftig gegen die Rundhölzer am Unterstand gelehnt hat, hat sie mit Leichtigkeit die Metallschellen rausgedrückt, in dem die Hölzer liegen. Beide sind von der Rasse Holstein, die Hochleistungs-Milchkuh schlechthin. Diese Laufbahn müssen sie natürlich nie einschlagen, denn wenn sie keine Kälbchen bekommen, bildet sich auch keine Milch in ihrem Euter. In Bali stecken außerdem Gene der Fleischrasse Blauer Belgier. Sie fressen sehr viel mehr als die Zebus und misten natürlich auch mehr, vor allem in ihren Unterstand. Die Zebus hingegen sind auch im Winter oft auf der Weide. Es ist wahnsinnig interessant und schier unglaublich für uns, diese Unterschiede zu sehen, die allein der Rasse geschuldet sind. Und es ist schön, nun so liebe Leute wie die Besitzer von Bali und Anna in unserem Umkreis zu haben. Zusammen mit ihnen haben wir einen Ausweich-Unterstand für die Zebus gebaut, direkt neben unserem Sommerhüttchen. Die jungen Rinder sind ihnen nicht so geheuer, sie sind am Anfang in spielerischem Übermut hinter ihnen hergerannt, das war einfach zu viel für die alten Damen.

Die drei Zwergzebus sind jetzt im Winter durch das viele Kümmern unsererseits viel zutraulicher. In ihnen steckt eine wilde Natur, sie sind keine Streicheltiere. Nicht, weil sie uns gefährlich werden könnten, eher nehmen sie in zweifelhaften Situationen Reißaus und galoppieren hoch erhobenen Schwanzes über die ganze Weide. Sie haben wohl einfach keine Lust darauf, gekrault zu werden. Mittlerweile respektiere ich das, ich will sie nicht mehr zähmen wie noch vor einiger Zeit, denn sie sollen sich ja wohlfühlen bei uns. Trotzdem freue ich mich jedes Mal, wenn sich Emma mal über den Rücken streicheln lässt. Sie haben jetzt ihr Winterfell, das nicht so fein ist wie das glänzende Sommerfell. Ida, die Ranghöchste, die im Sommer nahezu weiß ist, ergraut sogar jeden Winter. Sie muhen übrigens anders als andere Rinder, es klingt wie ein tiefes, wildes Brüllen.

Bald schon werden wir mit den ersten Aussaaten beginnen. Paprika und Tomaten machen den Anfang, sie werden dann bis zum Keimen auf der Fensterbank in der Stube stehen. Wir werden diese Tage die komplette Saison durchplanen und festhalten, wann wir was aussäen. Das machen wir, damit wir nichts vergessen und damit wir den Kopf frei haben und nicht ständig daran denken müssen, denn ab April wird sowieso wieder mehr als genug zu tun und zu organisieren sein. Unsere Anbauplanung hat sich ein bisschen geändert: Das Abo hat mittlerweile fast 400 Kunden und wir können Charlotte, die das alles organisiert, nur noch mit wenigen Gemüsen adäquat beliefern. So werden wir jetzt vielfältiger und bauen z.B. Pastinaken, Knollenfenchel und frühe Möhren für unsere kleine SoLawi an und natürlich kommen auch unsere Marktkunden in den Genuss von mehr verschiedenem Gemüse direkt aus Louisgarde. Wir starten bei den neuen Kulturen mit keinen allzu großen Mengen und werden sehen, wie sich das entwickelt. Auf jeden Fall haben wir große Lust auf die neue Saison und auf ein neues Jahr mit euch.

 

Wir wünschen euch ein gutes Jahr, Gesundheit an Leib und Seele. Und dass ihr die Muse habt,

euer Gesicht in die Sonne zu halten, wenn sie mal rauskommt.

Unsere kleine Anni hat mir mal gesagt: „Mit Augen zu ist es noch genießiger.“

 

 

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